
Sich trauen, den Mund aufzumachen
· 2 Min. Lesezeit · von Diana Vornicu-Eger
Du sitzt im Meeting. Der Gedanke ist da, klar, gut, du weißt genau, was du sagen willst. Und dann, im letzten Moment, schluckst du ihn runter. Zu unsicher, ob der Satz richtig sitzt. Zu unsicher, ob „would“ oder „will“ gerade stimmt. Also lieber: nichts sagen.
Kommt dir bekannt vor? Dann bist du in bester Gesellschaft. Fast jede Klientin, jeder Klient, mit dem ich arbeite, kennt diesen Moment. Und fast immer steckt dahinter nicht ein Sprachproblem, sondern ein Mutproblem.
Es geht nicht um Grammatik
Hier eine Wahrheit, die ich in meiner Arbeit immer wieder bestätigt sehe: Muttersprachler:innen machen ständig Fehler. Sie verhaspeln sich, korrigieren sich mitten im Satz, sagen „I mean“ und fangen neu an. Niemand hält das für unprofessionell. Es ist einfach: sprechen.
Was in internationalen Meetings tatsächlich zählt, ist nicht die perfekte Grammatik, sondern Klarheit, Präsenz, der Mut, überhaupt Raum einzunehmen. Ein einfacher, klarer Satz mit einem kleinen Fehler wirkt souveräner als Schweigen aus Angst vor dem falschen Tempus.
Die innere Stimme, die dich bremst
Diese Stimme kennst du: „Sag lieber nichts, als etwas Falsches zu sagen.“ Sie meint es gut, sie will dich schützen. Aber sie schützt dich vor dem Falschen. Sie schützt dich nicht vor Fehlern, sie schützt dich vor Sichtbarkeit.
Und genau hier setzt echte Entwicklung an, nicht bei der Grammatik, sondern bei der Beziehung zu dieser Stimme. Die gute Nachricht: Diese Beziehung lässt sich verändern.
Ein kleiner Realitätscheck
Frag dich ehrlich: Wie oft hast du in einem Meeting auf Englisch etwas gedacht, aber nicht gesagt, weil der Satz „nicht perfekt genug“ war? Und wie oft hat eine Kollegin oder ein Kollege danach genau diesen Gedanken geäußert, in einfachem Englisch, mit kleinen Fehlern, und wurde trotzdem gehört?
Genau das ist der Punkt. Der Raum wartet nicht auf Perfektion. Er wartet auf Beitrag.
Drei kleine Schritte für mehr Mut
Sag den unperfekten Satz. Nicht den perfekten, den du im Kopf noch feilst, während das Meeting längst weitergezogen ist. „I think we should... let me put it this way...“ Auch ein Neustart mitten im Satz ist ein völlig normales, menschliches Sprachmuster.
Nutze Brückensätze. Kleine Wendungen wie „Just to add something here“ oder „Can I build on that?“ geben dir Zeit, senken die Hürde und signalisieren gleichzeitig: Ich bin dabei, ich denke mit.
Trainiere Sichtbarkeit, nicht nur Vokabeln. In meinem Programm „Speak with Confidence“ üben wir genau das: nicht endlos neue Wörter pauken, sondern die Fähigkeit, mit dem, was man schon kann, wirksam präsent zu sein.
Die Essenz
Dein Englisch muss nicht perfekt sein, um wirkungsvoll zu sein. Es muss nur laut genug sein, um gehört zu werden. Der nächste Gedanke, der dir im Meeting kommt: Sag ihn. So, wie er gerade da ist.
Diana Vornicu-Eger, M.A.
Trainerin und Coach für Business English Communication, Persönlichkeitsentwicklung und interkulturelle Kompetenz.
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